
15.01.07
Pressevorstellungen sind doch immer wieder zum Heulen da. Besonders wenn man in Städten wie Hamburg lebt. Warum? Nicht wegen der schönen Autos, die dort vorgestellt werden. Sondern weil wir lieben Autojournalisten für 2-3 Tage in eine schönere Welt jenseits der 20 Grad gelockt werden, um dann wieder brutal rausgerissen, am Ende den Regen - der die Flugzeugfenster entlangrieselt - in Empfang zu nehmen.
So auch wieder geschehen bei der Vorstellung der neuen Porsche Cayenne Generation.
Man kann sich das ungefähr so vorstellen, wie es in fast 80% aller Präsentationen bei mir abläuft. Früh morgens um sechs klingelt der Wecker, der meine faulen Glieder dazu bewegt, aufzustehen. Nach der Reinigungsprozedur gehen wir in den dick einpacken Modus rüber. Soll heißen: Jeans, dicke Socken, Shirt, Rollkragenpulli und Mantel - ist ja nun mal auch scheißkalt draußen. Dann setze ich mich in meinem momentanigen Babybombertestwagen Opel Zafira OPC. Als ich aus der Tiefgarage rauskomme, lächeln mich fröhlich tausende von Regentropfen an, die den Autolack zubomben. Dann wird natürlich noch Kollege Jan abgeholt, um dann endlich am Flughafen angekommen, sich die aufwendige aber auch irgendwie unnötige Durchsuchung meines Fotogepäcks anzutun. Während also JCS grinsend an seiner Zigarette nuckelt, darf MRL erstmal alles auspacken und auf Sprengstoff prüfen lassen. Natürlich erwische ich immer die hyperkorrekte Brachialgewalt an Feminismus - anstatt der süßen Brünetten, die jeden Kerl mit einem Augenzwinkern weiterleitet.
Nachdem dies alles bewältigt worden ist, erwartet mich meist noch mal die gleich Prozedur in München, wo die meisten Flüge weitergehen. Und eins sage ich Ihnen: Gegen Hamburg ist München ein Pups in Sachen Kontrolle. Man darf also getrost eine halbe Stunde für sämtliche Kontrollen in Kauf nehmen, die ich in den 2-3 Tagen vor mir habe. Der Flug Richtung München ist meist noch lässig zu handeln. Man informiert sich erst mal in den Zeitungen über das Neue in der Welt. Eine Stunde später ist man dann meist genau in dem Terminal, welches nicht den Anschlussflug beinhaltet. Da auch kaum Zeit zum Verschnaufen bleibt, muss also schnell das Gepäck vom Band gezerrt werden und der Terminal-Run läuft. Bundeswehrjogging ist also inbegriffen. Dann folgt die eben besagte zweite Kontrolle mit Extra-Zeit-weg-Bonus. Irgendwann hat man es dann auch in den Flieger geschafft. Ein kleiner Film auf dem Laptop lässt einen wieder verschnaufen.
Kaum angekommen am Zielort, fährt man zu 90% in einem Bus Richtung Luxushotel, welches aber irgendwie kaum wahrgenommen wird. Fahrveranstaltung, Pressekonferenz und Dinner - bis hin zum obligatorischen “Sauf Dich in Bett” Barbesuch unter Kollegen und leicht gestresstem Orgateam, das dies übertrieben gesagt mehr oder minder willig mitmacht. Der nächste Tag ist nicht minder unstressig. Schließlich macht sich Romi schon Gedanken über die Fotos des Testautos. Qualität verpflichtet. Auch in diesen Stunden komme ich nicht dazu, mal zu verschnaufen oder mir das Umfeld intensiv einzuprägen. Ich halte nur Ausschau nach den schönsten Locations und versuche, den Testwagen dort hinzubekommen. Nach vier bis fünf Stunden des Fahrens und Fotografierens geht es dann wieder Richtung Hotel. Snack, Bus, Flughafen, CheckIn, Flughafen, CheckIn, Hamburg, Regen, Home, Bett.
Das mal zwei ergibt 16 Stunden des Wartens, bis ich endlich in den Wagen steigen darf. Und dann darf ich mir von Freunden noch anhören, dass ich nicht so stöhnen soll. Schließlich sei es doch entspannend, zwischendurch spontan in den Süden zu fliegen. Ich hätte es echt gut. Ist klar? In diesem Sinne werde ich trotzdem weiterleiden, wenn es auch auf hohem Niveau ist.
Aber eines kann ich Ihnen sagen: Beim Cayenne Turbo hat es sich gelohnt. Wie Sie in der kommenden Ausgabe von Prestige Cars sehen.
Text + Fotos: Mario-Roman Lambrecht