
BMW fertigte von 2000 bis 2003 mit dem Z8 den Nachfolger des legendären 507. Hatte man anfangs schon gedacht, dass sich der eigenwillige Chris-Banglesche-Designversuch trotz 007-Marketingmaßnahmen nicht zu einem Erfolg entwickeln sollte, sorgte die Nachricht über Einstellung der Produktion nach 5.700 Stück für einen späten Kaufrausch. Halb Auto-Deutschland kritisierte das ungewöhnliche Kampfgewicht (1.635 kg!) und lächelte über easy-entspanne New-Economy Geschäftsführer, die die Hauptabnehmer bei den BMW Niederlassungen waren. Wenige Jahre später ist der Z8 ein „Klassiker“, ein automobile Legende aus allerfeinsten Zutaten, das von seinen wenigen Besitzern gehegt und geliebt wird. Ein Auto, das wertvoll ist und immer wertvoll bleiben wird. Bei soviel interessanter Historie wollte ich dem Master aller Z8-Kreationen, dem Alpina Roadster V8, doch mal auf den allgäuischen Zahn fühlen.
Fragen Sie nicht wie – aber ich habe es geschafft, eines dieser seltenen Exemplare unter den Gasfuß und vor die Kamera zu bekommen. Und zwar einen Alpina Roadster V8 (Baujahr 2003), der als Nummer 59 nach Florida ausgeliefert und 2004 von seinem aktuellen Besitzer, Burkhardt Weller (www.weller-gruppe.de), wieder nach Deutschland geholt wurde. Er wurde als Limited Edition nur 555-fach gebaut und ist damit noch seltener als seine Werks-Grundlage. Mit dem Erscheinen des Alpina Z8 Roadsters ab 2002 erschloss Alpina offiziell den amerikanischen Markt. 450 der Alpina Roadster gingen in die USA. Ursprünglich waren gar nur 333 Exemplare geplant, doch durch die rege Nachfrage schraubte Alpina-Macher Bovensiepen das Limit ein Stück weiter nach oben.
Erster Eindruck: Der Alpina Roadster bleibt ein Z8 mit langer Haube und knackigem Hinterteil, aber sein Charakter wurde grundlegend geändert. So rollt er trotz seiner großen 20“ Dynamics-Räder, die ihn schon auf den ersten Blick vom BMW-Original unterscheiden, etwas weicher ab. Im Interieur hat Alpina dem aristokratischen Roadster weiteren Luxus gegönnt. Sitzflächen- und Rückenlehnenmitte mit Kopfstütze sind mit rutschfestem und besonders körperfreundlichem Alcantara bezogen. Als exclusive Sonderausstattung sind die Armaturenträger in blauer Samtstruktur lackiert, die man als kleines Haptikwunder bezeichnen kann. Das Dach öffnet sich in 12 Sekunden und sagt willkommen.
Vorsichtig drücke ich den Startknopf und denke an die Seltenheit der Kreation, die sich da in meiner Verantwortung befindet. Keine 10.000 Meilen hat das gute Stück auf dem Tacho. Dann vergesse ich allerdings schnell alle Gedanken - Nummer 59 zieht mich mit seinem ständig verfügbaren Drehmoment völlig in den Bann. Fahrwerksseitig ist er nicht ganz so knackig, aber dennoch exzellent im Handling. Die Lenkung ist leichtgängig, dies kommt der Agilität im Zusammenspiel mit den 381 PS zu Gute. Mit leisem Brummen und der schnell schaltenden Switchtronic, die eine Bereicherung ist, bewegen wir uns raus aus der Stadt. Perfekt nimmt Nummer 59 enge Kurven, vor denen ich immer am Lenkrad zurückschalte. Nachdem ich das Auto warm gefahren habe, kommen wir zum Wesentlichen: Kickdown bei 120. Der Roadster entfaltet einen Sound, der Autofahrern in unmittelbarer Umgebung den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Das Schreien und Brüllen dieses rollenden Boliden bedient sämtliche Suchtpotentiale, für die ich schon immer anfällig war. Schnelle, offene Autos, die bei Betätigung der richtigen Pedale derbe Geräusche von sich geben und sich dabei schnell gen Horizont bewegen. So wie man es als Sportwagenverrückter halt gerne hat, auch wenn man mit dem Auto lange unterwegs ist und richtig Gas geben möchte. Obwohl – 260 km/h, die der Alpina Roadster abgeregelt erreicht, bereiten keine wirkliche Freude und sind auf Grund des nicht montierten Hardtops eher anstrengend. Und bei Regen entwickelt sich Nummer 59 zur unberechenbaren Heckschleuder, wie ich später feststelle. Jedoch ist jeder Regentropfen, der sich an den breiten Kotflügeln entlang schlängelt eine Attraktion; denn als Fotograf entdecke ich so immer wieder neue Elemente der ursprünglich umstrittenen Designarbeit von Chris Bangle.
Alpina aus dem allgäuischen Buchloe zeigte mit dem Alpina Roadster, dass weniger auch mehr sein kann. Gegenüber dem Werks-Z8 verzichtet der Alpina auf Grund der Switchtronic auf 20 PS, bietet aber einen spezielleren Spaßfaktor. Und Burkhard Bovensiepen hat vor allem die Erfahrung gesammelt, dass über 500 Kunden bereit waren, eine größere Summe als die Standard-Käufer zu investieren. Das Geld für Nummer 59 ist jedenfalls gut angelegt.
Text / Fotos: Mario-Roman Lambrecht´
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